Vorratsmanagement

Ich bin ein Nachladenschlussnäher mit wählerischem Stoffgeschmack (Lästermäuler würden sagen: ungefestigt). Als solcher ist es ärgerlich, wenn man beim Planen oder Ändern der Nähpläne feststellt, dass Stoffe oder Zutaten fehlen bzw. nicht ausreichen. Wenn dann zielgerichtet für ein Projekt gesucht wird, findet sich selten der Wunschstoff und es heißt entweder mit den möglichen Alternativen zu leben oder das Projekt zur Seite zu legen. So dürfen immer wieder Stoffe für mögliche zukünftige Projekte genauso nach Hause mitkommen wie Stoffe, die ins Beuteschema passen aber noch unverplant sind.

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Ein guter Vorrat ist mir wichtig. Ebenso wichtig ist aber auch, immer mal wieder die Vorräte einer Prüfung zu unterziehen. Sonst wird aus einer wohlsortierten Arbeitsgrundlage und Inspirationsquelle irgendwann ein überquellender Vorrat, der eher demotivierend und erdrückend wirkt. Nach dem Motto: Voller Schrank, aber ich hab ja nix zum Nähen.

Die folgenden Fragen helfen mir beim Sortieren:

  • Passen die Vorräte noch zu meinem jetzigen Verbrauchsverhalten? Welche Vorräte verbrauche ich wirklich?
  • Gibt es Vorräte, die schon lang unangetastet lagern? Wenn ja, aus welchen Gründen?
    • Art des Materials (z. B. nur für einige Projekte geeignet)
    • Farbe (unpassend, schwer kombinierbar, passt nicht (mehr) ins Farbkonzept)
    • Verarbeitungsweise (z. B. wird hier viel zu selten gestrickt)
    • fehlende Inspiration/Motivation
    • ….
  • Wo lassen sich Lücken identifizieren? Welche Vorräte müssen definitiv nicht aufgestockt werden?

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Die Durchsicht meiner Vorräte sowie die Aufstellung der nächsten Nähpläne ergab vor allem die folgende Punkte:

  • Grundsätzlich lässt sich für zahlreiche Projekte etwas geeignetes finden, so dass dieses Jahr nur noch gezielt zugekauft werden sollte. Einen grundsätzlichen Kaufstopp wird es jedoch nicht geben.
  • Die Farben, die ich oft und mit gutem Gefühl trage und die Farben in meinem Vorrat gleichen sich erfreulicherweise an. Das motiviert zu jeder Menge eigennütziger Projekte.
  • Für die Jungs ist immer weniger zu nähen. Zum einen wechselt die Kleidergröße nicht mehr so rasch und zum anderen werden sie gut durch Geschenke versorgt. Die Nähschwerpunkte sind eigentlich Flickarbeiten, Sweatjacken o. ä., Schlafanzüge, Kostüme und kleinere Ergänzungen vor allem im Sommer. Es werden folglich nur begrenzt neue Stoffe eingekauft und das auch nur für konkrete Projekte oder universell einsetzbare Kombinationsstoffe. Der Abbau  vorhandener Jungsstoffe schreitet zufriedenstellend voran. Zum Jahresende sollen möglichst keine Jungsmotive mehr auf Vorrat vorhanden sein. Angefangen wird mit dem diesjährigen Stapel an Schlafanzügen.
  • Hosenstoffe müssen definitiv nicht mehr gekauft werden. Da ist ein ausreichender Vorrat vorhanden. Nach dem Nähen der Schwangerschaftshosen sollten in der zweiten Jahreshälfte „richtige“ Damenhosen folgen. Pläne waren immer vorhanden. Sie wurden allerdings durch vorauseilendem Frust aufgrund der erwarteten Passformprobleme vereitelt. Das muss beendet werden. Realistischerweise wird sich der Start auf einige Monate nach Schwangerschaftsende verschieben.
  • Es gibt einige wunderschöne Stoffe im Vorrat, die auf genau das richtige Projekt warten. Einige davon werden dieses Jahr ungehemmt angeschnitten, damit sie aus ihrem Schrankdasein erlöst werden. Den Anfang machen ein laminierter Baumwollstoff von Amy Butler und verschiedene Voiles.
  • Gleichfalls finden sich bei so einer Durchsicht immer wieder die ungeliebten Stiefkinder. Deren ständige Präsenz erzeugt doch einen hohen Frustfaktor. Zum Abbau der Stiefkinder kommen diese inzwischen auf einen separaten Stapel. Dieses Jahr wird regelmäßig für eines hiervon gezielt ein Projekt gesucht, mit dem es sich sinnvoll verwenden lässt. Zum Jahresende muss für den Rest ein schönes neues Zuhause gefunden werden.
  • Die Wollevorräte werden nicht größer, nehmen aber auch nicht ab. Kleine, einfache Strickprojekte zur Abbaumotivation müssen her.

Außerdem musste ich feststellen, dass viele Reste vorhanden sind. ZumWegwerfen zu schade. Aber als ungenutzter Vorrat doch wieder demotivierend.  Die Restekiste wurde nun an eine prominente Stelle gepackt und wird regelmäßig auf mögliche Verwertung durchforstet. Zu kleine/ungeeignete Reste kommen endlich in die Tonne. Angefangen habe ich damit schon Ende letzten Jahres und die ersten Babysachen genäht.

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Die Beschäftigung mit dem Vorrat wird dieses Jahr sicherlich noch einige Erkenntnisse mit sich bringen, wenn der Schrank stärker geplündert/durchforstet wird. Insbesondere die Neubestückung der stark geschrumpften Garderobe (Verschleiß) ist bestimmt für Überraschungen gut. Um die Entwicklung bewusster zu verfolgen, habe ich mir vorgenommen, einmal im Moment die abgeschlossenen/angefangenen Projekte sowie die aktuelle Haltung zum Vorrat zu dokumentieren.

Einschätzung Februar 2016:

  • gute Ausgangsbasis für dieses Jahr vorhanden
  • der Stapel an unmotivierenden oder unangerührten Vorräten ist zu hoch fürs Wohlbefinden und muss gezielt reduziert werden.