Katzenjammer nach der Geburt

Die meisten Geburtsberichte enden ja immer mit einem glückseligen Moment, wenn man das Kind das erste Mal im Arm halten kann. Das war natürlich auch diesmal wieder sehr beruhigend und hat ein wenig von dem ewig dauernden unkontrollierten Muskelzittern nach der kurzen heftigen Geburt und dem Gefühl der Überrumpelung abgelenkt. Seitdem zeigt sich jedoch die eine oder andere unromantisch Seite nach der Geburt.

Den ersten Tag nach der Geburt war mein Kreislauf völlig instabil, so dass ich im Krankenhaus nur in Begleitung aufs WC durfte, damit ich unterwegs nicht zusammenrutsche. Die heftige, kurze Geburt (zwei Stunden ab Wehenbeginn) war einfach ein bißchen viel auf einmal. Dazu fehlt wohl niemandem der Wochenfluss und die regelmäßigen Spülungen. Der Kleinen ging es zum Glück recht gut, auch wenn sie mir leicht unterkühlt von der Klinikaufnahme nachgebracht wurde (aus Platzmangel waren wir nicht auf der Wochenstation) und sie die ersten anderthalb Tage ziemlich viel Fruchtwasser erbrach, bevor sie überhaupt ans Stillen denken konnte.

Das Stillen klappte erfreulich gut und pünktlich am vierten Tag nach der Geburt setzte ein Monstermilcheinschuss ein, der innerhalb eines halben Tages Körbchengröße D in die Größe und Konsistenz von Bowlingkugeln verwandelte. Literweise Pfefferminztee, Ausstreichen, Kühlen und Quarkwickel führten nur sehr langsam zu einer Linderung. Jedes Stillen brauchte einen kurzen Vorlauf, damit das Kind überhaupt eine Chance hatte, zu Saugen. Auf dem Höhepunkt konnte ich mir dank der Schmerzen noch nicht mal eine Scheibe Brot alleine abschneiden.

Kurz nach der Klinikentlassung begannen die Hämorrhoidenknoten anzuschwellen, die durch die Geburt herausgerutscht waren. Sitzen und Bewegen wurde trotz Zäpfchen und Salbe immer schmerzhafter. Meine Versuche, mich irgendwohin zu positionieren oder mich aufzurichten, müssen erbarmungswürdig ausgesehen haben. Die Nachsorgehebamme hatte leider auch keine Einfälle, wie sich Linderung einstellen könnte.

Fünf Tage nach der Geburt stellte ich dann fest, dass offensichtlich meine Dammnaht wieder aufgerissen ist. An diesem Punkt fing ich erstmal an zu Heulen. Irgendwann reicht es dann doch an Problemen. Zusätzlich stellte sich das völlig irrationale Gefühl des Versagens ein, da ich das Kind gerade nicht ohne Hilfe normal versorgen kann. Anschließend fuhr mich der Lieblingsmann wieder zum Krankenhaus in die Notfallambulanz, die mich umgehend wieder zum Kreissaal schickten. Glücklicherweise hatten sich nur die oberen Schichten der Dammnaht wieder geöffnet, da sich die Fäden vorzeitig gelöst haben. Wir hätten bei dem schönen Sonnenschein keinen kurzen Spaziergang machen dürfen, auch wenn ich seit dem zweiten Tag schon in der Klinik ständig zu Fuß herumgescheucht wurde zur Thrombosevorbeugung. Die Klinik entschied sich gegen ein erneutes Nähen, weil trotz allem gute Heilungschancen bestünden. Konsequenz: weitestgehende Bettruhe die nächsten Tage, weiterhin regelmäßige Spülungen, viel Luft an die Dammnaht kommen lassen und sonst nur die tollen Netzschlüpfern aus der Klinik verwenden. Für die Hämorrhoiden soll weiterhin die Salbe genommen werden. Zusätzlich müssen die angeschwollenen Knoten regelmäßig gegen alle Schmerzen hinter den Schließmuskel zurückgeschoben werden. Die Probleme könnten sich durch die Lockerung des Schließmuskels unter der Geburt jedoch die nächsten Monate hinziehen.

Inzwischen ist der Milcheinschuss überwunden und etwas Licht am Horizont zu sehen. Die Bring-/ Abholdienste der Großen werden die nächste Woche teilweise von den Großeltern abgefangen, so dass der Lieblingsmann auch mal Luftholen kann. Der kroch irgendwann auch auf dem Zahnfleisch, schließlich teilen wir uns sonst die Arbeiten. Die nächsten Tage/Wochen werden auf jeden Fall noch sehr zäh und ruhig sein. Mal sehen, welche Beschäftigungstherapie mir für die vielen Liegestunden einfallen.