Nix für Lemminge – Finale

Das Jahr neigt sich dem Ende und damit auch die diesjährige Aktion Nix für Lemminge. Zeit für ein Fazit.

Ich hatte mir zwei Themenblöcke überlegt. Zum einen Nachtwäsche im weitesten Sinne unter dem Stichwort „Prinzessin auf der Erbse“. Geschafft habe ich ein Schlafkleid sowie einen Unterkleid auf Basis von V8888. Geändert habe ich das „Ober“teil, Träger, Rücken und die Länge. Nach vielen Anpassungen ist auch ein Still-BH entstanden. Nette Idee, aber so gar nicht mein Schnitt. Zudem schwankt die Körbchengröße dermaßen stark über den Tag, dass ein unlaminierter BH optisch kaum bestehen kann. Der Rest zu diesem Thema verlief im Sande und wird vielleicht nächstes Jahr weiter verfolgt.

Die Oberbekleidung stand unter dem Stichwort „Im Wald“. Zugrunde lag die Überlegung, dass sowohl die Kleidung der Armen und der Reichen zu einer bestimmten Zeit ähnlich waren und durchs Schichten dem Wetter angepasst wurden. Daraus sollte ein modernes Baukastensystem für ganzjährige Ausflüge in Wald, Feld und Flur sowie das heimische Kinderzimmer abgeleitet werden. Die Basis sollte ein ärmelloses Kleid bzw. ein Zweiteiler bilden, kombiniert mit Shirts/Pullovern/Cardigans/Ponco/Mantel/Winterrock etc. Zurechtgelegt hatte ich mir Stoff in verschiedenen Rosa- und Minttönen sowie passende Kombinationsstoffe, da die Kleidung leicht wirken sollte und so eine ausreichend großer Stoffstapel gebildet werden konnte.

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… und da fingen die Probleme an. Mit Baukasten und der Stoffkombination wurde ich nicht richtig glücklich. Bei der Schnittanpassung wollte ich meist zuviel auf einmal und irgendwie kam mir alles immer belangloser und wenig märchenhaft vor. Es stellte sich eine Denk- und Schaffensblockade ein. Die Motivation war am Ende.

Irgendwann begann ich wieder für das Thema zu nähen, aber eher mit einzelnen Anlehnungen an die Märchenthematik: etwas besondere Stoffe, Blumen wie im Schlossgarten, das Mäntelchen der königlichen Damen, etwas ausgefallenere Roben bzgl. Stoff und Schnitt. Zur Inspiration wurden Bilder von Modenschauen und Onlinekataloge durchstöbert.

Zuerst entstand ein Kimono. Den Schnitt hab ich mir so erstellt, dass mein Meter Stoff genau dafür ausgereicht hat. Leider habe ich bei den französischen Nähten nicht aufgepasst. Es ist zuviel Spannung drin, die muss ich vor dem Tragen noch in Ordnung bringen. Es schlossen sich zwei Bleistiftröcke nach dem Schnitt „Kristy“ aus der LMV 6/15 an. Der erste wurde noch nach Anleitung aus grünem Schlangen-Cloqué genäht. Die zweite Variante aus mintfarbenem Glitzersweat erhielt vorn einen gewagten Schlitz. Zeitgleich entstand eine Culotte, ebenfalls nach LMV, aus korallenfarbigen Baumwoll-Satin. Die Röcke trage ich im Alltag, insbesondere den grünen. Die Culotte ist als Sommerkleidung weggepackt.

Aus oben genannter Inspiration ist mein gelber Zweiteiler entstanden. Mit diesem bin ich sehr glücklich, auch wenn ich ihn eher nicht in der Kombination sondern einzeln trage. Meine Motivation war wieder zurück.

Es entstanden mehrere dringend benötigte Oberteile, die besondere Stoffe oder Blumen thematisch aufgriffen. Farblich so zusammengestellt, dass sie zu blau und ggfs. zu schwarz als Grundton passen. Stellvertretend seien das Spitzen-T-Shirt  genannt, welches in verschiedenstens Stoffkombinationen genäht wurde, sowie ein Stricktop nach Ottobre 303.

Mein extrovertierter Statement-Mantel aus beschichteten Strickstoff wartet immer noch auf Fertigstellung. Der Schnitt ist am Probeteil angepasst, der Futtermantel ist fertig, der Lieblingsmann hat mir nach meinen erfolglosen Versuchen den Reißverschluss gekürzt und der Obermantel ist auch größtenteils zusammengesetzt. Der Stoff für die aufgesetzten Taschen muss noch gewählt werden, bevor der Mantel fertiggestellt werden kann.

Dafür entstand die auch schon ursprünglich angedachte Möglichkeit, dünnere Röcke im Winter weitertragen zu können. Statt langem Winterrock zum Drüberziehen gab es jedoch einen knielangen Wickelrock aus Wolle. Zu dem Glitzerrock gesellte sich inzwischen auch ein Pullover – gleichzeitig das Probeteil für mein Weihnachtsoutfit – der den Zweiteiler vervollständigt. Ob sich das Ensemble in ungewohnter Farbe bewährt, wird sich zeigen müssen.

 

Fazit: Es wurde mehr geschafft, als bei der Blockade gedacht, wenn auch anders als ursprünglich geplant. Ich habe einiges im Umgang mit den gewählten Stoffen und zur Schnittanpassung gelernt, auf dass ich im nächsten Jahr aufbauen kann. Gemangelt hat es vor allem an der Dokumentation der fertigen Teile. Die Zeit zum Stylen und schöne Fotos schießen, musste immer hinten an stehen.

Am meisten Spass hatte ich daran, mir Fotos zusammenzustellen mit Details (Schnitt, Farbe, Material, Stimmung …), die ich in Kleidungsstücken oder Accessoires inkorporieren möchte und dies dann auch Stück für Stück umzusetzen. Zusätzlich wurden gezielt Outfits analysiert. Gerade bei schlichten Kleidungsstücken muss ich mich schon bei der Nähplanung bewußter mit dem Styling auseinanderzusetzen, um nicht wieder in die Langweilig-Falle zu tappen.

Wie weiter?

Folglich werde ich mir nächstes Jahr jeden Monat ein Outfit vornehmen, an dem ich in verschiedener Weise arbeiten möchte.

  • Nacharbeiten einer Inspiration von der Idee bis zum fertigen Outfit
  • Anlassoutfits zusammenstellen
  • bestehende Outfits ergänzen oder wandeln, um sie zu optimieren
  • Kleidungsstücken, mit wenigen Kombinationspartnern oder eingefahrenem Tragekonzept, neue Horizonte eröffnen
  • Oft getragene Farben/Muster/Schnitt ausbauen
  • fehlende Accessoires ergänzen

Angedacht ist hierbei eine wilde Mischung aus Nähen, Kaufen (neu und Second Hand) und DIY.

Danke an Alexandra für die Organisation und Inspiration.